Kirche

Die Kirche von Visquard – Baugeschichte und Wandel

Zwischen 1250 und 1275 errichteten die Bewohner von Visquard die heutige Kirche St. Margaretha als rechteckigen Einraum aus Backstein und weihten sie der Heiligen Margaretha. Der Bau gehört stilistisch in die Übergangszeit zwischen Romanik und Frühgotik: In den Längswänden finden sich Spuren rundbogiger Portale (romanisch) sowie spitzbogiger Fensteröffnungen (frühgotisch). Diese Mischform ist typisch für ostfriesische Dorfkirchen des 13. Jahrhunderts.

Umbauten nach der Reformation

Mit der Reformation begann eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Der ursprünglich vorhandene Lettner zwischen Chorraum und Schiff wurde entfernt; erhalten blieben jedoch die tragenden Balken, auf denen später eine Empore eingezogen wurde, die wiederum die Orgel trägt.

Die beiden alten Portale an der Süd- und Nordseite wurden vermauert. 1598 entstand stattdessen ein neues Westportal, das bis heute als Haupteingang dient. Das nachträglich in die Südwand gebrochene Hagioskop – eine kleine Öffnung, durch die früher Außenstehende den Altar sehen konnten – ist weiterhin offen, während das gegenüberliegende Pendant später bündig verschlossen wurde.

Gewölbe, Schäden und Erneuerungen

Der mittelalterliche Sakralbau besaß ursprünglich vier Gewölbe. Durch Deichveränderungen, Setzungen und einen sinkenden Grundwasserspiegel geriet die Statik gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Gefahr. Die Gewölbe drohten einzustürzen und wurden durch eine Holztonnendecke ersetzt. Nur das Chorjoch blieb erhalten: Es trägt ein achtteiliges Gewölbe, dessen Wulstrippen sternförmig zusammenlaufen. Im Schlussstein befindet sich eine Christusdarstellung – eines der kunsthistorisch wertvollsten Elemente der Kirche.

Der Chor besaß ursprünglich an Nord-, Ost- und Südseite jeweils ein Paar gekoppelter Rundbogenfenster. Heute zeigt die Ostseite eine Gruppe von drei Spitzbogenfenstern, während die alten Öffnungen der Südseite vermauert sind und von großen neuen Rundbogenfenstern überlagert werden. Diese Veränderungen stammen aus späteren Bauphasen, in denen mehr Licht in den Innenraum gebracht werden sollte.

Architektonische Besonderheiten

Eine seltene Besonderheit ist das in Stein gemauerte gräfliche ostfriesische und schwedische Wappen. Es verweist auf die Zeit, in der Ostfriesland zeitweise unter schwedischer Herrschaft stand (17. Jahrhundert). Solche steinernen Wappen sind in ostfriesischen Dorfkirchen äußerst selten und machen die Visquarder Kirche zu einem kunsthistorisch bemerkenswerten Bauwerk.

 

Der freistehende Glockenturm des geschlossenen Typs neben der Kirche wurde vermutlich um 1300 erbaut. Die Giebeldreiecke sind mit Spitzbogenblenden mit gemusterten Hintergründen verziert. Die nördliche Schallöffnung hat einen Parabelbogen. Die Glocken wurden in den Jahren 1798 und 1958 gegossen.